Museum der Stadt Geretsried

Dauerausstellung, Stadt Geretsried

Schokolade und Sprengstoff

Wenn eine Schokoladenfabrik im nationalsozialistischen Deutschland Lohntüten mit der Botschaft »Denk an deine Schweigepflicht« ausgibt, so liegt die Vermutung nahe, dass hier Explosiveres als Schokolade hergestellt wurde. Tatsächlich dienten die Ende der 1930er Jahre in die Geretsrieder Schwaige gesetzten Fabriken in Wirklichkeit der Herstellung von Sprengstoff. Die Ansiedlung von Heimatvertriebenen im Jahr 1946 markiert den eigentlichen Beginn der Stadtgeschichte von Geretsried, die maßgeblich durch die verschiedenen Kulturen, Fertigkeiten und Traditionen der Umsiedler geprägt wurde.

Diese Zweiteilung der Geschichte spiegelt sich in der Konzeption unserer Ausstellung wider, wobei wir uns den Umstand zu Nutze machten, dass das Museum aus zwei separaten Gebäuden besteht. So betreten die Besucher zunächst ein kleineres, dem eigentlichen Museum vorgesetztes Gebäude, was sie direkt in die Sprengstofffabrik befördert, bevor sie mit Kriegsende in die Situation der Vertriebenen versetzt werden, die nach Geretsried umsiedelten. Ihr Weg führt dabei über eine bewusst unbehaglich gestaltete, Rückblicke in die Heimat gestattende Rampe ins Haupthaus des Museums. Hier steht zunächst eine Entlausung an, bevor detailreich das Barackenleben der Vertriebenen in Szene gesetzt wird. Wie sich Geretsried aus diesen Baracken durch die verschiedenen Kulturen, Fertigkeiten und Traditionen der angesiedelten Egerländer, Donauschwaben, Schlesier und Siebenbürger zu einer pros-perierenden Stadt entwickelt hat, zeigt der Hauptteil der Ausstellung, umgesetzt als erlebnisreicher Mix aus Originalexponaten, Hörstationen und interaktiven Exponaten.

Auftraggeber: Stadt Geretsried

Dimension: 315 m2

Fertigstellung: 2010

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